Sich erden
Den Boden wahrnehmen,
er trägt mich, er erträgt manches.
Das Erdreich ist nicht dreckig,
es ist warm und feucht
und duftet nach Wald.
Manchmal ist es auch hart wie Stein.
Ich mache mich damit vertraut,
wage eine Berührung.
Ich ahne das Mütterliche, Bergende,
das Material, aus dem Leben kommt,
und wohin Leben zurückführt.
Hier will ich Wurzeln bilden.
Einen festen Stand bekommen.
Mit beiden Beinen fest im Leben stehen
auf dem Boden der Tatsachen.
Hinuntersteigen
Im Unten erwartet mich ebenso
das Dunkle, das Unbewusste.
Vielleicht kommen wilde Tiere,
die mir Angst machen?
Ich wage dennoch den Weg hinunter.
Es geht immer noch weiter nach unten.
Dann kommt lange nichts Besonderes.
Und ganz unten dann
plötzlich ein Quellgrund,
sprudelndes Wasser.
Ich feiere ein stilles Fest
des Quellendanks.
Dann muss ich zurück in den Alltag.
Sich nach dem Licht strecken
Ich richte mich auf.
Nach oben ist unglaublich viel Raum.
Frei werden, den Kopf frei bekommen
für diesen einen Augenblick.
Sich nach dem Himmel ausstrecken.
Mich dehnen zum Licht,
zum Hellen, Schönen, Wahren.
Der Himmel über mir
Ist das Sprungbrett ins Unendliche,
Transzendente.
Nach oben gehen
Ich mache mich auf den Weg,
ein steiler Anstieg ist der
mühsame Aufstieg nach oben.
Was wird mich dort erwarten?
Eine Aussicht, eine Kapelle,
eine Ruhebank,
eine Idee, eine Erkenntnis?
Auch wenn ich den Weg schon kenne,
ich gehe ihn heute neu,
und lasse mich überraschen.
Später irgendwann muss ich wieder zurück,
hinunter in den Alltag,
in das Banale, Verpflichtende.
Die Gegensätze verbinden
Oben und unten,
Himmel und Erde,
männlich und weiblich,
die Polaritäten zusammenbringen
zu einem Ganzen
in meinem Dasein,
in meinem So-Sein,
in meinem Werden
zu der Person, die ich bin.