Brüche
Eine gewisse Elastizität ist da.
Doch dann kommt
ein unvorhergesehenes Ereignis.
Der Blitz schlägt ein.
Es kracht ordentlich.
Die stabile Senkrechte:
Ich kann sie nicht halten.
Mitten im Frühling
werde ich rausgerissen.
Brüche gehören wesentlich
um Leben dazu.
Sie geben mir die Chance,
ganz neu anzufangen,
meine Schwerpunkte
nochmal anders zu setzen.
Oft entsteht danach erst eine
Gewisse Lebenstiefe.
Einschnitte
Andere haben mich beschnitten,
weil sie es konnten.
Gut ist, der Versuchung,
liegen zu bleiben
zu widerstehen,
zumindest die Zeit
nicht zu lang werden zu lassen,
bis Kraft da ist zum Aufstehen.
Dann fange ich wieder
an mit frischem Grün.
Ich stehe auf,
ich stehe wieder auf,
weil Leben in mir steckt.
Ich fange nicht bei Null an,
sondern baue auf tiefen Wurzeln auf.
Neu beginnen
Mit dem, was geblieben ist,
wende ich mich dem Licht zu.
Ich starte mal
mit ein paar kleinen Ästen,
mit dem, was mir entspricht.
Ich erde mich neu
und strecke mich aus.
Ich konzentriere mich
auf meine senkrechte Position.
Ich stehe und höre
Ich höre auf die Stimme, die sagt:
Nimm den ganzen Atemraum ein!
Habe ich vergessen,
dass ich geliebt bin?
Und dann geht wieder was,
wieder wird Frühling, Sommer, Herbst
und Winter.
Ich bin froh, am großen Kreislauf
des Lebens mit dabei zu sein.
Die Wunden
Sie gehören zum Leben dazu.
Die kleinen heilen von selbst.
Die großen brauchen oft Hilfe von aussen.
Und immer wieder an der gleichen Stelle
haut jemand drauf,
tut es wieder und wieder weh.
Ich sehe auf das,
was mich wütend und krank macht.
Ich schaue nicht weg!
Irgendwann sehe ich auch andere leiden.
Und ich halte es aus, nicht weg zu sehen.
Knick in der Optik
Da gibt es den Knick
in meiner Wirbelsäule -
in meiner Biografie.
Mein Kreuz -
mein Schicksal
Jesu Kreuz -
Gottes Lösung.
Ich suche nach dem
Zusammenhang.
Der Kreuzesbaum
Mitten unter uns
gibt es noch einen weiteren Baum,
aus einem anderen Holz geschnitzt.
Den Kreuzesbaum
mit dem verwundeten Heiler,
Jesus, der Christus.
Durch seine Wunden hindurch
ist Heilung möglich,
Heilung in einem ganzheitlichen Sinn.
Unterstützung brauchen
Die erste Reaktion ist:
ich doch nicht.
Warum in meinem Alter schon?
Lieber unterstütze ich selbst, als Hilfe entgegen zu nehmen.
Und: nicht jede Unterstützung taugt etwas.
Wohl gemeinte Ratschläge lasse ich links liegen.
Ich ringe mich aber durch,
hilfreiche Stützen anzunehmen.
Danke, daß es sie gibt!
Dann sieht man weiter.
Alt werden
Wie eine Blinde, die von Farbe redet,
ist es, wenn es um das Alter geht.
Das hohe Alter scheint nochmal
eine ganz eigene Lebensaufgabe zu werden.
Ich stehe als Zeugin
für Jahrzehnte meines Lebens,
fühle mich aber wie aus der Zeit gefallen.
Bis hierher habe ich es geschafft.
Doch wie bekomme ich die nächste Etappe hin?
Ja, mit Gottes Hilfe vielleicht.
Ja!
Das große Loslassen
Irgendwann, wenn die Zeit reif ist,
da kommt ein Tag,
da ziehe ich aus dem Lebenshaus aus.
Ich muss die Kontrolle abgeben.
Abschiede wird es geben.
Noch einmal tut es weh.
Sehr weh.
Hoffnung
Ein letzter Stern
macht mir Mut,
wenn es kalt wird,
wenn es keine Hoffnung
zu geben scheint.
Der Stern leite mich
zu einen neuen,
unvergänglichen Licht.
Totholz
Alles, was wir alle so lange
erfolgreich ausgeblendet haben,
ist hier versammelt:
Krankheit, Alter, Vergänglichkeit,
Sterben, Tod.
Und sieh an,
das Todholz ist voller Leben,
voller sinnvoller Zusammenhänge
in einem größeren Kontext.
Strukturen werden sichtbar,
die auch schön sein können.
Eine Basis für neues Leben wird geschaffen.
Ein junger Trieb wird aus der Erde kommen
Als Christen rechnen wir
mit der Auferstehung.
Ein neuer Leib,
unvergängliches Leben.
Wie das genau geschieht,
wissen wir nicht.
Es gibt nur ein Bild vom Samenkorn,
das in der Erde zu einer
neuen Pflanze wird.
Was bleibt, ist das Vertrauen
und die Hoffnung
auf das, was Gott in Kraft und
Herrlichkeit erschafft.